Jahrestagung des Österreichischen Volksliedwerks

Volksmusik heute.
Soziale Vermittlung – historische Quellen – moderne Medien

12., 13. November 2026
Universität für Musik und darstellende Kunst, Fanny Hensel-Saal

Die Quellen von Volksmusik und Volkstanz im weitesten Sinne, wie sie heute in Österreich in privaten und öffentlichen Räumen praktiziert werden, sind außerordentlich vielfältig. Soziale Vermittlung von Musikstilen und Repertoirebeständen geschieht in organisiertem Rahmen durch geregelten Unterricht und in Workshops, aber auch immer noch auf den traditionellen Wegen der informellen Vermittlung oder auch durch regelmäßiges Dabeisein, Nachahmen und kreatives Weiterentwickeln bei Anlässen, in denen keine Vermittlungsabsicht gegeben ist.

Seit Jahrzehnten sind historische Musikhandschriften eine zentrale Quelle für nicht wenige Ensembles, so dass wir heute von einer eigenen Richtung der „historisch informierten Aufführungspraxis“ in der Volksmusik sprechen können. Sehr oft überschreitet diese nationale und ethnische Grenzen, wobei Österreich in vielem eine Pionierrolle zukommt.

Notenausgaben von Volksmusik stehen im Schnittbereich von historischen Quellen und modernen Medien. Auch Tonaufzeichnungen sind seit der Ära der Musikkassette eine wichtige Quelle für die Praxis, später kamen Videoaufnahmen dazu. Neben CDs, DVDs und online-Quellen können audiovisuelle Medien als Lehrmaterialien dienen – oder auch als Gedächtnisstütze gemeinsamen Musizierens verwendet werden. Die mediengestützte soziale Vermittlung in Online-Communities spielt seit geraumer Zeit eine bedeutende Rolle.

Wir laden dazu ein, auf der Jahrestagung 2026 die für die heutige Volksmusikpraxis in Österreich bedeutsamen Quellen aus der Sicht von Forschung, Vermittlung und Aufführungspraxis vorzustellen und gemeinsam zu diskutieren. Die Einladung richtet sich an Vertreterinnen und Vertreter sowohl aus Wissenschaft als auch musikalischer Praxis aus dem In- und Ausland, um so vergleichende Perspektiven zu entwickeln.

Programm

12.11.2026

09:00 – 09:20 | Begrüßung
09:20 – 09:50 | Einführung. Ulrich Morgenstern, Universität für Musik und Darstellende Kunst, Institut für Volksmusikforschung und Ethnomusikologie
09:50 – 10:30 | Volksmusik in Österreich im Funktionswandel. Thomas Nußbaumer, Universität Mozarteum, Fachbereich Musikalische Ethnologie

10:30 – 11:00 | Kaffeepause

11:00 –12:00 | Die Handschrift Josef Martin Strolz 1812 – 1818 wieder „ins Spiel bringen“, ein Beispiel des fruchtbaren Zusammenspiels von Forschung, informierter Aufführungspraxis und forschungsgeleiteter Vermittlung/Lehre mit Livemusik. Evelyn Fink-Mennel, Stella Vorarlberg Privathochschule für Musik

Mittagspause

14:00 – 14:40 | „Hier fehlt mir aber doch ein Ton!“, das Volksmusikinstrument als Quelle des Revivals zwischen, historischem Befund und heutigem musikalischen Anspruch. Ralf Gehler, Historiker, Volkskundler und Musikant aus Schwerin

14:50 – 15:30 | Stiftwalzen, Lochplatten und Notenrollen, Speichermedien mechanischer Musik als Quelle. Katharina Pecher Sammlung „Wunderwerkel Kamptal

15:30 – 16:00 | Kaffeepause

16:00 – 6:40 | Wiener Musik ist anders (und doch auch Volksmusik). Herbert Zotti, Wiener Volksliedwerk

16:50 – 17:30 | Mein Weg vom Lernenden zum Rechercheur. Simon Wascher, Vermittler, Herausgeber und Erforscher

19:30 | Offenes Musizieren mit Weinverkostung mit der Winzerfamilie Honsig und dem Trio H3 aus dem Weinviertel im Österreichisches Volksliedwerk

13.11.2026

09:00 – 09:40 | Quellen der heutigen Aufführungspraxis in der slowakischen Volksmusik. Bernard Garaj, Constantine the Philosopher University in Nitra

09:50 – 10:30 | Quellen, Medien und Volksmusikdiskurs in Ungarn, ein geschichtlicher Überblick. Dániel Lipták, Institut für Musikwissenschaft Budapest und Fachbereich Volksmusik der Liszt-Musikakademie

10:30 – 11:00 | Kaffeepause

11:00 – 11:40 | Musikalische und tänzerische Wissensvermittlung in der bosniakischen Community aus dem heutigen Nordmazedonien in Wien. Zwischen informellem Lernen, digitalen Medien und transnationalen Netzwerken. Aleksandar Arabadjiev

11:50 – 12:30 | Archiv Stinjaki, ein Community Archive im Spannungsfeld zwischen Traditionspflege und Minderheitenpolitik. Marko Kölbl, Institut für Volksmusikforschung und Ethnomusikologie, Universität für Musik und darstellender Kunst Wien

Mittagspause

14:00 – 14:40 | Volkstanz heute, Volkstanz zwischen Schrift, Video und Praxis, Else Schmidt, Bundesarbeitsgemeinschaft Volkstanz

14:50 – 15:30 | Volksmusikvermittlung in modernen Medien, Bericht aus der Praxis am Beispiel Dancilla, Franz Fuchs

15:30 – 16:00 | Kaffeepause

16:00 – 16:40 | Vom und fürs Radio: Das Radio als Medium der Vermittlung von Volksmusik in Österreich. Edgar Niemeczek

16:45 – 17:25 | Wandel durch Wettbewerb, Volksmusikwettbewerbe als Indikatoren und Impulsgeber für Veränderungen in der Volksmusiklandschaft. Walter Meixner

17:30 – 18:00 | Abschlussdiskussion

19:00 Uhr | Besuch des Wiener Volksliedwerks im Anschluss Heuriger mit Musik

Anmeldung: office@volksliedwerk.at

Foto: Mrs. W. A. Hargrave, USA, und Franz Schunko sitzen vor einem Tonbandaufnahmegerät im Schneebergdörfel am 29.7.1960 bei der 13. Jahreskonferenz des IFMC, ÖN 13-(4)-3, A 21,2