Jodeln als österreichweites immaterielles Kulturerbe anerkannt

Am 17. Oktober dem internationalen Tag des Immateriellen Kulturerbes, wird das Jodeln neben fünf weiteren Praktiken in das Nationale Verzeichnis aufgenommen.

Das Jodeln ist als österreichweites immaterielles Kulturerbe anerkannt. Vor allem im alpinen Raum Österreichs ist Jodeln als vokale Praxis mit vielfältigen regionalen Ausdrucksformen bekannt. Merkmale umfassen die Dreiklangszerlegungen, Mehrstimmigkeit, große Intervallsprünge und rasche Wechsel zwischen Brust- und Falsettstimme. Das Jodeln als Bezeichnung dient als Sammelbegriff für eine Vielzahl lokaler und situationsabhängiger Benennungen dieser Gesangsform. Dazu zählen unter anderem unterschiedliche regionale Bezeichnungen, die auf sprachliche oder soziale Besonderheiten der jeweiligen Praxis oder Region verweisen. Ein Beispiel hierfür sind Ausdrücke wie „Ludeln“, „Almern“, „Dudeln“, „Johlen“, „Singa ma-/ tuan ma an Jodler!“ oder „Singa ma an Tanz!“. Die Namen der einzelnen Jodler geben Rückschlüsse auf die regionalen Dialektformen, die Art der Mehrstimmigkeit und die Jodlersilben.

Die Entstehung des Jodelns ist wahrscheinlich auf die Nutzung als Verständigungsruf über weite Entfernungen, wo nur hohe Tonlagen hörbar sind, zurückzuführen. Daraus entwickelten sich im Laufe der Zeit mehrstimmige Jodler, die zur Unterhaltung dienten. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde das Jodeln international durch reisende Sänger*innengruppen auf der ganzen Welt bekannt gemacht. Als kulturelle Besonderheit etablierte sich das Jodeln kurze Zeit später in Österreich.

Heute wird Jodeln im familiären Umfeld, im Wirtshaus, auf Almen, bei Gottesdiensten, Hochzeiten, Begräbnissen, Festen und Konzerten ausgeübt. Je nach Anlass werden Tempo, Intonation, Phrasierung und Besetzung angepasst. Die Teilnahme am Jodeln steht allen interessierten Personen offen und die Gemeinschaft des Jodelns umfasst Menschen unterschiedlicher Altersgruppen, Geschlechter und sozialer Hintergründe. Die Weitergabe des Jodelns erfolgt innerhalb von Familien, Freundeskreisen sowie in Kursen, Workshops, Vereinen und Bildungseinrichtungen, wie beispielsweise bei organisierten Jodlerkursen, Jodlerstammtischen, Schulprojekten oder Jodlerfestivals. Der Verband Österreichisches Volksliedwerk sichert neben seiner Vermittlungsfunktion seit 1904 die Sammlung, Dokumentation und Weiterentwicklung des Jodelns.

Kulturminister Babler begrüßt die Aufnahme von diesen lebendigen Traditionen: „Mit diesen sechs unterschiedlichen Praktiken aus ganz Österreich wird die Sammlung des immateriellen Kulturerbes erneut bereichert. Die Traditionen werden seit Generationen gepflegt und spiegeln die Geschichte sowie den sozialen Zusammenhalt der Menschen in unseren Regionen wider.“

Das Nationale Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes macht die kulturelle Vielfalt Österreichs sichtbar. Es umfasst Ausdrucksformen aus den fünf von der UNESCO definierten Bereichen: von künstlerischen und mündlich überlieferten Traditionen über Handwerk und Feste bis hin zu Wissen und Praktiken im Umgang mit der Natur. Das Verzeichnis gibt Einblick, was in Österreich an kulturellem Erbe gelebt und von Gemeinschaften weitergegeben wird.

Neben dem Jodeln werden folgende Praktiken aufgenommen „Rituale und Praktiken des Feuer- und Scheibenschützenwesens im Salzkammergut (Oberösterreich, Salzburg, Steiermark), Wissen und kulturelle Praktiken rund um das Tux-Zillertaler Rind (Tirol), Wiener Wurstelpraterkultur (Wien), Lechtaler Heil- und Nutzpflanzenwissen (Tirol), Herstellung und Wissen rund um die Walsertaler Trachten (Vorarlberg).

Hintergrund

Das Nationale Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes wurde 2010 im Rahmen des von Österreich 2009 ratifizierten UNESCO-Übereinkommens zur Erhaltung des Immateriellen Kulturerbes von 2003 etabliert. Die Österreichische UNESCO-Kommission ist, im Auftrag des Bundesministeriums für Wohnen, Kunst, Kultur, Medien und Sport, mit der Führung des Verzeichnisses betraut. Über die Aufnahme neuer Elemente entscheidet ein eigens dafür eingerichteter Fachbeirat.

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