Prof. Clemens Hellsberg übergibt Ehrenurkunde an em. Prof. Konrad Köstlin | Foto: Anita Frühwirth
Unser ehemaliger Leiter der Wissenschaftlichen Kommission und Vizepräsident des Österreichischen Volksliedwerks, em. Prof. Dr. Konrad Köstlin wurde am 11.11.2025 zum Ehrenmitglied ernannt. Das Dokument zur Ehrenmitgliedschaft wurde ihm im Rahmen einer Generalversammlung vom Präsidenten des Verbandes Prof. Dr. Clemens Hellsberg überreicht.
Mit dieser Auszeichnung findet das umfassende Wirken Konrad Köstlins für das Volksliedwerk und vor allem die Wissenschaftliche Kommission eine würdige Anerkennung. Neben seiner universitären Laufbahn als Professor für Europäische Ethnologie an der Universität Wien, widmete er sich ehrenamtlich zahlreichen Aufgaben und Projekten, die zur Weiterentwicklung der Volkskultur in Österreich beitragen. Dazu zählen seine Tätigkeiten in der Wissenschaftlichen Kommission des Österreichischen Volksliedwerks, als Präsident im Verein des Volkskundemuseums und im Beirat am Institut für Volkskultur und Kulturentwicklung, Tirol. Er war Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Volkskunde (DGV), darüber hinaus langjähriger Vorsitzender der Société internationale d’ethnologie et de folklore (SIEF) und im Wissenschaftlichen Beirat im Touriseum, Südtiroler Landesmuseum für Tourismus sowie Gutachter für die österreichische UNESCO-Kommission. Als Programmgestalter der jährlichen Sommerakademie des Österreichischen Volksliedwerks, der Kamingespräche der Volkskultur Niederösterreich und der Zukunftsgespräche der Bundesarbeitsgemeinschaft Volkstanz gab er neue Themen und Blickwinkel auf die Volkskultur aus der Perspektive einer modernen Gesellschaft vor. Dazu zählt auch die Wissenschaftliche Leitung des FWF Projekts des Volkskundemuseums Wien gemeinsam mit den Projektmitarbeiterinnen Birgit Johler und Magdalena Puchberger. Hier galt es „Museale Strategien in Zeiten politischer Umbrüche“ des Österreichischen Museums für Volkskunde in den Jahren 1930-1950“ zu beleuchten.
Am 11.11.2025 wurde Prof. Dr. Konrad Köstlin das Dokument zur Ehrenmitgliedschaft überreicht. Wir gratulieren herzlich und freuen uns mit ihm!
Im Mai 2026 schreibt Irene Egger in der Kolumne über das Singen von Liedern mit Vögeln. Gerade im Frühling zwitschern, tirilieren, plustern sie ihr Gefieder und buhlen um Gunst. Sie sind damit dem menschlichen Verhalten nicht unähnlich. Doch Vorsicht! Nicht hinter jedem Pfeifen verbergen sich ehrbare Absichten. Darum prüfe genau, mit wem Du „Vogelhochzeit im grünen Wald“ hältst.Von Vögeln singen geht auf alle Fälle bei jedem Beziehungsstatus.
Das Magazin vom Jänner 2026 enthielt ihre zweite Kolumne, in der sie erläuterte, warum in den Heischebräuchen deutlich wird, dass Geben seliger denn Nehmen ist. In ihrem ersten Beitrag (Ausgabe September 2025) verriet sie, warum Singen nicht perfekt, sondern einfach echt sein sollte: „Wer singt, hat mehr vom Leben“.
Das Archiv des Österreichischen Volksliedwerkes bietet einen umfassenden Einblicke auf Heische- und andere Bräuche.
Unserer Geschäftsleiterin Irene Egger schreibt seit 2025 regelmäßig gemeinsam als Servus Musikquartett mit Conny Bürgler, Thomas Gansch und Erich Riegler vom Österreichischen Blasmusikverband unter der Rubrik Servus Musi für die Zeitschrift Servus in Stadt & Land.
* 29. April 1923 (Bozen), † 13. Jänner 2025 (Wien)
Walter Deutsch war als Musiker, Komponist und Musikwissenschaftler eine prägende Figur der österreichischen Volksmusik.
Seine Kindheit und Jugend verbrachte er in Südtirol, erlernte dort das Friseurhandwerk und wurde durch seine Eltern in die Musik eingeführt. Nach Umsiedlung der Familie ins „Großdeutsche Reich“ (Kufstein) wurde er zur Wehrmacht eingezogen und als Soldat nach Nordafrika geschickt. Nach seiner Rückkehr aus der Kriegsgefangenschaft in den USA studierte er zuerst am Konservatorium in Innsbruck, danach an der Akademie für Musik und darstellende Kunst in Wien Komposition bei Alfred Uhl und Dirigieren bei Hans Swarowsky. Seine Karriere begann er als Ballettkorrepetitor an der Wiener Volksoper.
1965 gründete er das Institut für Volksmusikforschung (aktuell: Institut für Volksmusikforschung und Ethnomusikologie) an der heutigen Universität für Musik und darstellende Kunst Wien, das er bis 1993 leitete. Von 1992 bis 1999 war er Präsident des Österreichischen Volksliedwerkes, danach Ehrenpräsident. Deutsch führte zahlreiche Seminare und auch Feldforschungen durch und dokumentierte so Volksmusik in verschiedenen österreichischen Regionen und in Südtirol. Viele kostbare Bild- und Tondokumente entstanden. Seine Forschungsergebnisse publizierte er sowohl in Notenheften für die Praxis, in Audioproduktionen als auch in wissenschaftlichen Fachbüchern. Einen Höhepunkt seiner Publikationstätigkeit stellt die Herausgabe der Reihe „Corpus Musicae Popularis Austriacae“ (COMPA), einer umfassenden Dokumentation österreichischer Volksmusik, die derzeit 23 Bände umfasst, dar. Seinem vielfältigen Wirken ist es zu verdanken, dass so wertvolles Kulturerbe für nachfolgende Generationen festgehalten ist. 2023 erhält er für sein Schaffen das „Große Goldene Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich“.
Als Komponist schuf er Bühnen- und Ballettmusik, Tänze, Märsche, Klaviermusik, Kammermusik, Kantaten, Lieder nach Gedichten von E. Breisach und Franz Rieger, Wienerlieder, volksmusikalische Lieder, Stücke und Bearbeitungen u.a. für Chöre. Durch die Konzeption und Moderation von Radio- und Fernsehsendungen trug Walter Deutsch zudem maßgeblich zur Popularisierung von Volksmusik in Österreich bei.
2022 übergab er seine umfangreiche Sammlung an das Österreichische Volksliedwerk. Seit diesem Zeitpunkt wird diese schrittweise in das Archiv des Österreichischen Volksliedwerkes eingegliedert.
Sendungshinweise: – „Unser Land unser Jahr“ bei ServusTV, 9. März 2025, 10 Uhr „AufhOHRchen Spezial in memoriam Walter Deutsch“, 14.1.2025, 20.04 Uhr, Radio Niederösterreich – Die Sendung zum Nachhören. (bis 12.02.2025) – Ö1 Spielräume: In memoriam Walter Deutsch, Freitag, 17.01.2024, 17.30h. – Die Sendung zum Nachhören (bis 16.02.2025)
Am 23. November 2024 wurde unser früherer, geschätzter Präsident LH a.D. Dr. Josef Pühringer zum Ehrenpräsident des Österreichischen Volksliedwerks ernannt. Seine verdienstvolle Amtszeit trat er 2007 als Nachfolger von Dr. Sepp Gmasz (heutiger Obmann des Burgenländischen Volksliedwerkes) an.
Die Überreichung der Ehrenpräsidentschaft fand im Österreichischen Volksliedwerk im Rahmen einer kleinen Feierstunde mit Freund*innen und ehemaligen Wegbegleiter*innen aus den Landesvolksliedwerken statt.
Das VOLXFEST mit den beiden Teilen „Eindrahn“ in Gmunden und „Aufdrahn“ in Gößl zeigt, über die Kunst und Kraft des Feierns können verschiedene Formen des Feierns zusammengeführt werden. Traditionelle Tänze, Discoplattler, queere Elemente sowie performative-künstlerische Ausdrucksformen haben im VOLXFEST einen Platz.
Das VOLXFEST ist ein mehrteiliges Projekt des Österreichischen Volksliedwerks gemeinsam mit dem Choreografen und Performancekünstler Simon Mayer im Rahmen der Kulturhauptstadt Europas Bad Ischl Salzkammergut 2024. Gemeinsam mit einem internationalen Team von acht Künstler*innen und dem Österreichischen Volksliedwerk unter der Leitung von Irene Egger kreieren Traditionsvereine wie die Altausseer und Atterseer Volkstanzgruppen, die Altbadseer Musi, Salzkammergut Geigenmusi, Grundlseer Geigenmusi, Salzkammerqueer sowie Hip Hop Gruppen aus dem Salzkammergut gemeinsam das VOLXFEST. Im VOLXFEST wird daher mit der Koexistenz von traditionellen Ausdrucksformen sowie zeitgenössischer Kunst experimentiert und gespielt. Egal, ob herkömmlich oder künstlerisch – Geplantes trifft auf Spontanes, Choreografien auf den freien Tanzboden. Der Holzhackermarschvon der Attergauer Volkstanzgruppe kommt damit sowohl als traditioneller Schuhplattler als auch in einer neuen Version mit Motorsäge und anderen Klangmotiven aus der Holzverarbeitung von Simon Mayer zur Aufführung, ein Spinnrad erzeugt aus traditionellen Melodien Beats und es wird auf einer „Zigarettenschachtelgeige“ musiziert, Elemente aus dem Hip Hop finden sich im Volkstänzen wieder… In dieser Zusammenarbeit von Österreichischem Volksliedwerk, künstlerischem Team und traditionellen Vereinen im Kontext der Kulturhauptstadt werden die einzelnen Acts mit historischem Quellenmaterial zu Volksmusik, Tanz, Tracht und Brauch aus den Archiven der Volksliedwerke bereichert. Auf Basis dieser sowie aktueller Feldforschungen werden vergessene Tänze und Musikstücke, wie der Polstertanz, rekonstruiert und in zeitgenössische, gesellschaftliche Kontexte eingebettet, um sie als Gesellschaftsspiel neu zu etablieren.
Ziel mit dem Volksfest ist es, Diversität sowie internationale und intersektionale Perspektiven in regionale volkskulturelle Ausdrucksformen einfließen zu lassen. Denn im künstlerischen Prozess werden Fragen zu Herkunft und Entwicklungen in gesellschaftlichen, zeitgenössischen und internationalen Diskursen anders als in herkömmlichen Settings beantwortet. Es werden gegebene Normen des Feierns aufgegriffen, hinterfragt und mit neuen, vielfältigen Ausdrucksformen verbunden. Diese hybriden Formen sollen zu einem besseren Verständnis unterschiedlicher Menschen beitragen, Angst vor Veränderungen nehmen und einen persönlichen Zugang zum Feiern mittels Körpergefühl eröffnen. All diese Facetten des VOLXFEST führen zu neuen Wegen in volkskulturellen Settings. Beim letzten Teil „Ausdrahn“ am 23. November 2024 werden im Salzkammergut gemeinsam mit Tänzer*innen, Performer*innen und Musiker*innen der Kulturhauptstädte aus Norwegen und Estland europäische Formen des Feierns zu einem Volxfest bzw. zu einer Village Party zusammengeführt.
Mitwirkende künstlerische Leitung Simon Mayer, art in motion Projektträgerin, Leitung Produktion und artistic research Irene Egger, Österreichisches Volksliedwerk künstlerisches Team Farah Deen, Simon Mayer, Markus Prieth, Patric Redl, Hannah Shakti-Bühler, Mario* Sinnhofer, Irma-Maria Troy, Hannah Wimmer Projektbeteiligte AltBadSeer Musi, Banda Adriatica, D’Attergauer Volkstanzgruppe und Lederhosengirls, D´Vöcklataler, Heimat- und Trachtenverein Alt-Gmunden, Grundlseer Geigenmusi, Viechtauermusikanten, Heimatverein Viechtau, KateRock Verein & ChrisMooves (Hip Hop), Oberösterreichisches und Steirisches Volksliedwerk, Salzkammergut Geigenmusi, Salzkammerqueer, Volkstanzgruppe Altaussee, Volxfestler*innen, Volxfestorchester Produktion Johannes Starmühler, Lisa Anetsmann, Ilona Eggl, Felix Gfällner Technik und Ton Jeroen Smith und Lukas Froschauer Projektbegleitung Karoline Wibmer Ethnografische Begleitung Institut für Europäische Ethnologie der Universität Wien Programmleitung Erinnerungskultur, Historisches, Museen Lisa Neuhuber
Das VOLXFEST, ein Projekt des Österreichischen Volksliedwerks gemeinsam mit dem Choreografen und Performancekünstler Simon Mayer, lädt im Rahmen der Kulturhauptstadt Europas Bad Ischl Salzkammergut 2024 zu den ersten beiden Volxfestterminen: „Eindrahn“ am 25. Mai 2024, 9.30 – 14 Uhr in Gmunden, Schubertplatz und Traunseetram „Aufdrahn“ am 15. Juni ab 16 Uhr, Veitwirt Gößl.
Es sind dies Volxfeste zum Mitmachen, Mittanzen, Mitspielen und Mitsingen, kombiniert mit Schautänzen und Performances. Vorkenntnisse sind nicht nötig, einzig die Lust am gemeinsamen Feiern und Ausprobieren steht im Vordergrund. Das VOLXFEST versteht sich als ein vielschichtiges Partizipationsprojekt und will den Mitwirkenden und Besucher*innen unterschiedliche Zugänge zu kulturellen und künstlerischen Ausdrucksformen von Musik, Tanz, Tracht, Brauch und Feiern vermitteln. Im VOLXFEST wird mit der Koexistenz von traditionellen Ausdrucksformen sowie zeitgenössischer Kunst experimentiert und gespielt. Egal, ob traditionell oder künstlerisch – Geplantes trifft auf Spontanes, Choreografien auf den freien Tanzboden. Dabei trifft Hip-Hop auf Volkstanz, getanzt wird auch mit der laut Guinness Buch der Rekorde größten Lederhose. Der Holzhackermarsch kommt sowohl als herkömmlicher Schuhplattler getanzt von den Lederhosengirls aus dem Attergau als auch in einer neuen Version mit Motorsäge und diversen Klangmotiven von Simon Mayer zur Aufführung, ein Spinnrad erzeugt traditionelle Beats und es wird auf einer „Zigarrenschachtelgeige“ musiziert. Bei einem offenen Singen kann man in traditionelle Jodler und Lieder einstimmen.
Die Kunst und Kraft des Feierns liegt in der Balance zwischen den Regeln, die genaue Festabfolgen definieren, und freien spontanen, intuitiven Ausdrucksformen, welche Wohlbefinden, Freude und Zuneigung unter den Feiernden, Hochstimmung, aber auch Trauer und Wut zum Ausdruck bringen. Denn das gemeinsame Feiern kann auch als Ressource in Zeiten von Krisen dienen. Zwischen diesen Gegenpolen setzt das Projekt VOLXFEST des Choreografen und Performancekünstlers Simon Mayer an. Ein internationales Team von acht Künstler*innen und das Österreichische Volksliedwerk unter der Leitung von Irene Egger kreieren das VOLXFEST gemeinsam mit Menschen in den Gemeinden der “Kulturhauptstadtregion Bad Ischl Salzkammergut 2024” mit den AltBadSeer Musi, D’Attergauer Volkstanzgruppe und Lederhosengirls, D´Vöcklataler, Heimat- und Trachtenverein Alt-Gmunden, Grundlseer Geigenmusi, Viechtauermusikanten, Hip Hop Community Skgt, Oberösterreichisches und Steirisches Volksliedwerk, Salzkammergut Geigenmusi, Salzkammerqueer, Volkstanzgruppe Altaussee, Volxfestler*innen, Volxfestorchester. In der Zusammenarbeit von künstlerischem Team, traditionellen Vereinen und Institutionen im Kontext der Kulturhauptstadt Europas Bad Ischl Salzkammmergut 2024 besteht die Möglichkeit, künstlerisches Arbeiten mit historischem Quellenmaterial zu Volksmusik, Tanz, Tracht und Brauch aus den Archiven der Volksliedwerke zu bereichern und neue Ergebnisse zu erzielen.
Durch die Kunst und Kraft des Feierns erleben Mitwirkende und Besucher*innen eine Kultur des Miteinanders und kulturelle Zugehörigkeiten aus unterschiedlichen Perspektiven. Ziel mit dem Volksfest ist es, Diversität sowie internationale und intersektionale Perspektiven in volkskulturelle Ausdrucksformen einfließen zu lassen. Denn im künstlerischen Prozess werden Fragen zu Herkunft und Entwicklungen in gesellschaftlichen, zeitgenössischen und internationalen Diskursen anders als in herkömmlichen Settings beantwortet. Es werden gegebene Normen aufgegriffen, hinterfragt und mit neuen, vielfältigen Ausdrucksformen verbunden. Diese hybriden Formen des Feierns sollen letztendlich zu einem besseren Verständnis unterschiedlicher Menschen beitragen, Angst vor Veränderungen nehmen und einen persönlichen Zugang zur persönlichen Heimat mittels Körpergefühl eröffnen.
Fakten:
Eindrahn: 25. Mai 2024 I 10-14 Uhr I Gmunden: Traunseetram und Schubertplatz, bei Regenwetter im Stadttheater Aufdrahn: 15. Juni 2024 I ab 16 Uhr I Gößl Veitwirt Ausdrahn: 23. November 2024, I ab 18 Uhr I Bad Goisern, Stephaneum
Volxfestteam, Österreichisches Volksliedwerk / Simon Mayer art in motion, Foto: Johannes StarmühlerVolxfest / Simon Mayer art in motion, Foto: Johannes StarmühlerVolxfest Mitwirkende Gmunden 2024, Foto: Vincent Salvatore UrbanHolzhacker Simon Mayer Volxfest Gmunden 2024, Foto: Vincent Salvatore UrbanVolxfest Gmunden 2024, Foto: Vincent Salvatore Urban
Clemens Hellsberg ist neuer Präsident des Österreichischen Volksliedwerks.
Der ehemalige Vorstand der Wiener Philharmoniker, Prof. Dr. Clemens Hellsberg, ist am 4. Dezember 2023 als Präsident des Österreichischen Volksliedwerks – Verband der Volksliedwerke der Bundesländer gewählt worden. Er tritt damit die Nachfolge von LH a.D. Dr. Josef Pühringer an, der 15 Jahre lang die Geschicke des Vereins leitete. Mit Clemens Hellsberg ist das Österreichische Volksliedwerk ein zweites Mal mit der Familie Hellsberg verbunden. Sein Vater, Eugen Hellsberg, war in den 1960er Jahren erster Geschäftsführer des Österreichischen Volksliedwerks. In dieser Funktion prägte der promovierte Musikwissenschafter die Sammlungs-, Forschungs- und Archivierungsaufgaben dieser Institution wesentlich. Er verfasste Fachartikel für Zeitungen, Rezensionen, hielt Vorträge, veröffentlichte Liederbücher und betätigte sich als Dozent in der Erwachsenenbildung.
Sein Sohn, nun Präsident, Clemens Hellsberg erlangte seinen Doktortitel nach einem Studium der Musikwissenschaft und Alten Geschichte an der Universität Wien. Gleichzeitig studierte er Violine an der Musikhochschule Wien (heute: MDW – Universität für Musik und darstellende Kunst Wien). 1976 erhielt er eine Festanstellung beim Orchester der Wiener Staatsoper, in dem er zwei Jahre später erstmals als Primgeiger agierte. Im Jahr 1980 wurde Clemens Hellsberg bei den Wiener Philharmonikern aufgenommen, deren Vorstand er von 1997 bis 2014 war. Neben seinen musikalischen Aktivitäten im Kreise der Wiener Philharmoniker veröffentlichte er zahlreiche musikwissenschaftliche Bücher und Artikel. „Mein Anliegen als Präsident ist es, mit den Kernkompetenzen des Österreichischen Volksliedwerks Archivieren, Forschen und Dokumentieren wesentlich zur musikalischen Vielfalt im Musikland Österreich beizutragen. Hier an die Arbeit meines Vaters anzuknüpfen, sehe ich im Sinne der Weitergabe von Traditionen, die einen wesentlichen, immanenten Faktor von Volksmusik darstellen.“
Um die Archive der Volksliedwerke in die Zukunft zu führen, arbeitet das Österreichische Volksliedwerk im Rahmen des Förderprojekts des Bundesministeriums für Kunst, Kultur, öffentlichen Dienst und Sport im Archivdatenbankverbund (www.volksmusikdatenbank.at) an einer Melodierecherche. Mittels Klaviatur sollen in Zukunft speziell Melodien in Musikhandschriften leicht abgefragt werden können. „Das bietet einen niederschwelligen Zugang, Musik aufzufinden und diese dann auch zu praktizieren“, ist der mit Hellsberg nominierte Vizepräsident Dr. Wolfgang Dreier-Andres, Archivleiter des Salzburger Volksliedwerks überzeugt. Dreier-Andres ist ein profunder Kenner im Bereich der „Digital Humanities“. Er folgt Univ.-Prof. Dr. Konrad Köstlin, der in verdienstvoller Weise neben der Funktion als Vizepräsident auch den Vorsitz der wissenschaftlichen Kommission des Österreichischen Volksliedwerks innehatte. Der langjährige Volkskunde-Forscher und Universitätsprofessor stand diesem Gremium 16 Jahre vor und spielte bei der Gestaltung einer Sommerakademie, welche Wissenschaft und Praxis zusammenführte, eine entscheidende Rolle.
Einerseits mit dieser Neubesetzung, andererseits mit der Besinnung auf die Kernkompetenzen des Verbands, blicken die Mitglieder, die Landesvolksliedwerke, zuversichtlich auf 2024, das 120. Jubiläumsjahr.
Davor bieten die Volksliedwerke in der Adventzeit ein vielfältiges Angebot an offenen Singen, Konzerten, Weihnachtsliederberatungen, Notenmaterial uvm. Details zum Programm unter: http://www.volksliedwerk.at
Alle Mitglieder, Mitarbeiter*innen und Weggefährten des Dachverbands bedanken sich bei ihrem ehemaligen Präsidenten Josef Pühringer und dem Vizepräsidenten Konrad Köstlin, sie wünschen beiden Gesundheit und Glück, dem neuen Präsidenten mit seinem Team alles Gute für die Zukunft.
Der Vorstand des Österreichischen Volksliedwerks, credits: Österr. Volksliedwerk/ Johannes StarmühlerJosef Pühringer und Clemens Hellsberg, credits: Österreichisches Volksliedwerk/ Johannes StarmühlerEugen Hellsberg am Rednerpult, Archiv des Österreichischen Volksliedwerks
Lieder erzählen gerne Geschichten – manchmal aber auch Geschichte. Große Schlachten, Revolutionen, Naturkatastrophen haben oft auch einen Niederschlag in Liedform gefunden. Dabei wurden nicht nur die Geschehnisse selbst beschrieben und so der Nachwelt überliefert, sondern auch die durch sie erzeugten Gefühle und Stimmungen in der Sprache der Musik festgehalten. Nicht selten sind solche Lieder aber auch erst viele Jahre, mitunter Jahrhunderte nach einem historischen Ereignis entstanden. Sie taugen somit nicht als Zeitdokument, verraten aber viel über die, in die Vergangenheit projizierten Werte und Ideen einer späteren Zeit.
Auch die Pop- und Rockmusik hat sich immer wieder geschichtlicher Ereignisse angenommen: So hat etwa PJ Harvey den Ersten Weltkrieg („Let England Shake“) und Orchestral Manoeuvres in the Dark den Atombombenabwurf auf Hiroshima („Enola Gay“) besungen, während Neil Young in seinem Song „Let’s Roll“ die dramatischen Szenen an Bord eines entführten Flugzeugs am 11. September 2001 schilderte. Einen Meilenstein der musikalischen Geschichtsschreibung setzten 1977 auch die heimischen Schmetterlinge mit ihrer „Proletenpassion“. Und die schwedische Heavy Metal-Band Sabaton hat sich in ihren Songs sogar ausschließlich auf historische Themen spezialisiert – von der Türkenbelagerung Wiens bis zur Panzerschlacht von Kursk.
Das von Richard Brem gestaltete „Radiokolleg“ begibt sich anhand von Liedern und Liedtexten durch die Weltgeschichte und geht dabei der Frage nach, inwieweit diese als historische Quellen und zur Vermittlung von geschichtlichem Wissen dienen können, Irene Egger vom Österreichischen Volksliedwerk berichtet aus der Sicht der Volkslieder.
Deine Meinung ist gefragt! Die Universität für Weiterbildung Krems und mica-music austria haben gemeinsam eine Online-Umfrage erstellt, um die unterschiedlichen Berufsbilder, Tätigkeitsfelder und Beschäftigungsverhältnisse in der Musikbranche erstmals realistisch mit Zahlen und Fakten abzubilden. Wir erhoffen uns außerdem Erkenntnisse zur Aus- und Weiterbildung: Welches Know-how brauchen Musikschaffende, um erfolgreich zu sein? Wie erlangen sie dieses Know-how?
Diese Befragung richtet sich an Dich, weil Du in der Musikbranche arbeitest – als Musiker_in, Komponist_in, oder in einem musiknahen Berufsfeld, zB. als Musikmanager_in, Labelbetreiber_in, Produzent_in, Tontechniker_in oder in der Musikverwaltung.
Alle Antworten werden anonym ausgewertet. Wir empfehlen Dir das Ausfüllen auf einem größeren Bildschirm. Als kleines Dankeschön werden unter allen Mitwirkenden 10 goodies (z.B. Freikarten) verlost.
Rund 1000 Schulkinder aus ganz Österreich, Lehrpersonen, Eltern und Ehrengäste sangen zum Schulschluss mit Hubert von Goisern bei einem Konzert der Jeunesse im Konzerthaus Klagenfurt.
2017 übernahm Hubert von Goisern auf Initiative des Österreichische Volksliedwerks die Schirmherrschaft des Projekts „Komm, wir singen“, um Kinder für das gemeinsame Singen zu begeistern. „Es ist mir ein Bedürfnis, Kindern meine Freude an der Musik weiter zu geben. Das geht am einfachsten über das gemeinsame Singen. Darum lernts Lieder und singts!“, so der Musiker beim Konzert.
Zu Beginn des Projekts wählte Hubert von Goisern aus 400 Liedvorschlägen, die von Schulen aus ganz Österreich eingereicht wurden, eine persönlich geprägte Auswahl von elf Liedern aus: Amazing grace/ A so a Segen, Der Weg zu mein’ Dirndle is stoanig, Gstanzlsingen nach den Melodien Wienerlied „Wer a Göd hat“ und Landlergstanzl „Buama stehts z’sam in Kroas“, die beiden Jodler Hätt i di und Lärabrett, O du lieber Augustin, Und jetzt gang i ans Petersbrünndele sowie die beiden Lieder Brenna tuat’s guat und Weit, weit weg von Hubert von Goisern. Die Liedauswahl entstand aufgrund eines Aufrufs des Österreichischen Volksliedwerks an unterschiedliche Schulen aus ganz Österreich, Lieder einzureichen, die gerne gesungen werden und über einen längeren Zeitraum in Österreich bekannt sind, sich für den kreativen und interkulturellen Umgang im schulischen Umfeld eignen und von Kindern aus ihren Familien oder lokalen Gemeinschaften mitgebracht wurden.
Diese von Hubert von Goisern ausgewählten Lieder standen im Laufe des Projekts den Schulen als Noten gemeinsam mit Unterrichtsmaterialien für die Vermittlung im Unterricht und für Singveranstaltungen zur Verfügung. Im weiteren Projektverlauf ging Hubert von Goisern in Schulen, um gemeinsam mit Kindern zu singen und er unterrichtete in einer Lehrveranstaltung angehende Musikpädagog*innen auf der mdw.
Als krönender Abschluss durften nun am 21. Juni 2023 Schulkinder mit ihren Lehrerinnen und Lehrern von Bregenz bis aus dem Burgenland, von Sillian bis zum Weinviertel nach Klagefurt fahren, um mit Hubert von Goisern gemeinsam im Konzerthaus Klagenfurt die ausgewählten Lieder zu singen. Auf Grund dessen, dass der Termin um 15.30 Uhr in kurzer Zeit ausgebucht war, erklärte sich Hubert von Goisern bereit am selben Nachmittag das Konzert um 17 Uhr zu wiederholen. So sangen mit Begeisterung rund 1000 Kinder, Lehrpersonen, Eltern und Fans an diesem Nachmittag gemeinsam mit Hubert von Goisern. „Das Österreichische Volksliedwerk leistet wichtige Arbeit, indem es den Wert des Singens unserer musikalischen Traditionen vermittelt. Durch Veranstaltungen wie diese erhalten Kinder eine ganz besondere Gelegenheit, ihre Stimmen zu entdecken und sich in einer einzigartigen kulturellen Erfahrung mit anderen zu teilen. Denn singen fördert Gemeinschaft und Zusammenhalt“, so Ao. Univ.-Prof. Dr. Martin Polaschek, Minister für Bildung, Wissenschaft und Forschung in seiner Videobotschaft zu Beginn des Konzerts.
Voraussetzung für die Teilnahme beim Konzert war, dass die Schulen im Laufe des Schuljahres 2022/23 die Lieder mit drei Strophen einstudierten. Musikvermittler*innen aus den Volksliedwerken der Bundesländer unterstützen bei den Proben. Hubert von Goisern wurde beim Konzert von Musiker*innen des Euro Symphony Orchesters aus dem Dreiländereck Slowenien, Italien und Kärnten unter der Leitung von Ernest Hoetzl gemeinsamen mit der Jeunesse Klagenfurt und dem Kärntner Volksliedwerk begleitet. Zusätzlich bereicherten der Bordunmusiker Michael Vereno mit einem Dudelsack und Severin Trogbacher aus Hubert von Goiserns Band die beiden Konzerte. „Das Konzert mit Hubert von Goisern war ein Traum und die Kinder waren begeistert, danke für diese Möglichkeit,“ so eine der vielen positiven Rückmeldung von der VS St. Peter in Graz.
In diesem Projekt ging es um das lustvolle gemeinsame Singen und Musizieren. Ziel des Projekts war es, einen Impuls für das gemeinsame Singen – vor allem bei Kindern – zu setzen. Die Bedeutung von Musik und Gesang für die Bildung und persönliche Entwicklung kann nicht genug betont werden. Dies evoziert nicht nur Freude und Motivation, sondern fördert die Persönlichkeitsbildung und das Selbstbewusstsein. Der große Zulauf zum Konzert ist der Beweis, dass Musik und musikalische Bildung für Menschen existenziell wichtig sind. „Die Bedeutung von Musik als wesentlicher Faktor der sozio-emotionalen Entwicklung von Kindern und Jugendlichen kann nicht hoch genug eingeschätzt werden“, so Prof. Dr. Harald Huber, Präsident des Österreichischen Musikrats, der extra aus Wien zum Konzert nach Klagenfurt anreiste und sich von der großartigen Stimmung der Kinder mitreißen ließ, um gemeinsam mit den Ehrengästen in den Chor der Kinder einzustimmen.
Insgesamt haben im Projektzeitraum 10 000 Schüler*innen und Lehrpersonen aus ganz Österreich unter der Schirmherrschaft von Hubert von Goisern beim Projekt „Komm, wir singen!“ mitgewirkt. Dieses Projekt ist abgeschlossen, doch im kommenden Schuljahr will das Österreichische Volksliedwerk mit einem neuen Projektschwerpunkt an die Schulen herantreten. Ab dem kommenden Schuljahr geht es um die „Volksmusik von morgen“. Das Thema soll mannigfaltig erarbeitet werden: musikalisch, in verschiedenen Sprachen, gestalterisch, kulturgeschichtlich, fächerübergreifend. Mit den Projekten sollen Beziehungen zu anderen Kulturen, Kunst- und Kulturformen, neuen Medien und zu außerschulischen Einrichtungen hergestellt sowie Begegnungen zwischen Generationen und zu Menschen mit besonderen Bedürfnissen geschaffen werden. Es kann in diesen Projekten um musikalische Basisbildung gehen, um Musik mit und in digitalen Medien oder um die Frage, welche Vorbilder in der Volksmusik gibt es, wo finden die Kinder ihre Idole. Das kann auch Fragen zum Umgang mit neuen Medien beinhalten. Musikvermittler*innen und Musiker*innen aus dem Umkreis der Volksliedwerke werden die Projektumsetzung mit Workshops begleiten. Zusätzlich werden seitens der Volksliedwerke Notenmaterial und digitale Zugänge für Unterrichtsmaterialien zur Verfügung gestellt unter: www.volksmusikland.at/lernen.
Fotos: Johannes Starmühler, Österreichisches Volksliedwerk
Hubert von Goisern und Irene Egger (Geschäftsleiterin Österreichisches Volksliedwerk)
Kinder im Konzerthaus in Klagenfurt
Hubert von Goisern mit Musiker Severin Trogbacher
Konzert des Österreichischen Volksliedwerks „Komm, wir singen!“ gemeinsam mit Hubert von Goisern und Jeunesse Klagenfurt am 21. Juni 2023 im Konzerthaus Klagenfurt.
Rund 1000 Schüler*innen, Pädagog*innen und Eltern aus ganz Österreich werden an diesem Tag um 15.30 Uhr und um 17.15 Uhr bei diesem Konzert gemeinsam mit Hubert von Goisern im Konzerthaus in Klagenfurt singen.
Das Österreichische Volksliedwerk betreut mit seinem Bildungsprojekt „Komm, wir singen“ seit rund sechs Jahren alle Schultypen aus ganz Österreich unter der Schirmherrschaft von Hubert von Goisern. „Es ist mir ein Bedürfnis Kindern meine Freude an der Musik weiter zu geben, das geht am einfachsten über das gemeinsame Singen“, so der Musiker. Zum Abschluss des Projekts singt Hubert von Goisern bei diesem Konzert gemeinsam mit den teilnehmenden Kindern elf Lieder, begleitet von Musikern, dem Euro Symphony Orchester unter der Leitung von Ernest Hoetzl gemeinsamen mit der Jeunesse Klagenfurt und dem Kärntner Volksliedwerk.
Das Konzertprogramm beruht auf einer Auswahl von 400 Liedvorschlägen von teilnehmenden unterschiedlichen Schulen aus ganz Österreich. Aus den 28 meist genannten Stücken wählte Schirmherr Hubert von Goisern elf für das Programm aus. Diese Lieder wurden in den letzten Jahren in den Schulen sowohl musikalisch, als auch sprachlich, bildnerisch, historisch… behandelt. Musikvermittlerinnen aus allen Volksliedwerken unterstützen die Schulen bei der kreativen Auseinandersetzung.
In diesem Projekt geht es daher weniger um Professionalisierung und Bühnenreife, als um das lustvolle Singen und Musizieren. Dies evoziert nicht nur Freude und Motivation, sondern fördert die Persönlichkeitsbildung und das Selbstbewusstsein. Das zeigt auch der überaus große Andrang zum Konzert. Um alle interessierten Schulklassen die Teilnahme zu ermöglichen, werden nun am 21. Juni zwei Termine angeboten. Der erste Termin um 15.30 Uhr ist ausgebucht, für den zweiten Termin um 17.15 Uhr gibt es noch wenige Restplätze, der Eintritt ist frei.
Der große Zulauf zum Konzert ist ein Beweis, dass Musik und musikalische Bildung für Menschen existenziell wichtig sind. „Die Bedeutung von Musik als wesentlicher Faktor der sozio-emotionalen Entwicklung von Kindern und Jugendlichen kann nicht hoch genug eingeschätzt werden“, so Prof. Dr. Harald Huber, Präsident des Österreichischen Musikrats. Dieser setzt sich seit Jahren dafür ein, die musikalische Basisbildung in Österreich zu verbessern. Projekte von Kultureinrichtungen können nur mit ausreichend finanziellen Mitteln einen Beitrag zur musikalischen Bildung leisten, sind aber grundsätzlich davon abhängig, dass die Qualitätssicherung auf schulischer Ebene sowohl inhaltlich, strukturell und damit auch finanziell garantiert ist.
credits Pressefotos: Komm, wir singen mit Hubert von Goisern, Archiv des Österreichischen Volksliedwerks
Hubert von Goisern präsentierte am 26.11.2018 Lieder als Impuls für das gemeinsame Singen an Österreichs Schulen.
Die Lieder
O du lieber Augustin
Die Melodie dieses Tanzliedes ist im deutschen Sprachraum bis in die zweite Hälfte des 17. Jahrhunderts zurückzuverfolgen. Bei der Geschichte des „lieben Augustin‘s“ handelt es sich um eine Legende rund um den Dudelsackpfeifer und Bänkelsänger Augustin Marx oder Marx Augustin (1643 – 1705).Erst der Wiener Sagensammler Moritz Bermann verband 1865 Melodie und Text zum heute bekannten Lied und veröffentlichte es in Alt und Neu Wien in Geschichten und Sagen für die reifere Jugend. .
Der Weg zu mein’ Dirndle is stoanig
Dieses im ganzen süddeutschen Raum verbreitetes Gstanzllied gehört zu den Liebesliedern. Ein Großteil der österreichischen Volkslieder – sehr oft in Verbindung mit der Beschreibung des Almlebens – hat die Liebe in scherzhaftem Ton zum Inhalt. Schon Peter Rosegger kannt das Lied aus seiner Jugend und hat es 1872 erstmals mit dem Text: „Ich woaß nit, sull ich auffi, sull ich owi?“ veröffentlicht.
Hätt i di (Jodler)
Dieser Jodler ist in vielen Varianten, unter vielerlei Namen (Hätt i di, håb i di“, „He i ti“, als „Hålterbua Jodler“ oder auch als „Hålt’ s Maul“) und zwei- bis mehrstimmig bekannt: Als „Echojodler“ bezeichnet gibt er am treffendsten die akustische Wahrnehmung wieder: Die 2. Stimme folgt wie bei einem Kanon prompt nach dem Starten der 1. Stimme. Die Jodlersilben unterstützen die Lautmalerei.
Lära Brett (Jodler)
Dieser Jodler wurde erstmals im Ausseerland 1899 von dem Industriellen Konrad Mautner aufgezeichnet und in seiner Liedsammlung „Steirisches Raspelwerk“ veröffentlicht. Der Jodler ist heute im ganzen Salzkammergut, in der Heimat von Hubert von Goisern und darüber hinaus verbreitet. Der Titel bezieht sich auf ein Brett aus Lärchenholz (lärchenes oder lära Brett).
Und jetzt gang i ans Petersbrünndele
Petersbrünndele ist eine im deutschen Sprachraum auftretende Bezeichnung für Gasthäuser, Heilquellen oder öffentliche Brunnen. Für das Scherzlied kursieren sehr viele oft spontane Textvarianten. Als Stanabründl“ oder „D‘ Schiffleut“ wurde das Lied in der 1. Hälfte des 20. Jahrhunderts von der Wienerliedsängerin Ady Rothmayer interpretiert. Unter dem Titel „When an Austrian went jodeling in the mountain so high“ ist heute auch eine englische Textfassung bekannt. Zum Lied gesellen sich unterschiedliche rhythmische Begleitungen durch Schnipsen, Schenkel schlagen, Stampfen oder Ellbogenstöße.
Gstanzlsingen nach verschiedenen Melodien
Bei Gstanzl, Schnaderhüpfl und Vierzeiler handelt es sich um einen zwei- oder vierzeiligen Einstropher. Als eine der häufigsten Grundformen des Volksliedes in Österreich können Gstanzln ironisierte Weisheiten bzw. Empfehlungen beinhalten oder Begebenheiten und Personen aufs Korn nehmen. Scherz und Spott sind dabei wesentlicher Bestandteil. Manchmal wird es von einem Ansinger spontan gedichtet und mit anschließendem Refrain von allen gesungen. Auch viele Liedtexte von Hubert von Goisern sind als Vierzeiler verfasst. In dieser Versform zu dichten und zu singen ist nicht nur in anderen Musikgattungen (Rapp, Kunstlied, Kabarett, Couplet…) weit verbreitet, sondern auch in anderen Kulturen.
Amazing grace – A so a Segen (Text Hubert von Goisern)
John Newton veröffentlichte seinen Text „Amazing Grace“ gemeinsam mit William Coper 1779 in „The Olney Hymns“. John Newton war Theologe, der vor seiner Berufung sich als Seefahrer und Sklavenhändler sein Geld verdiente. Der Text verbreitete sich anfangs mit unterschiedlichen Melodien als Kirchenlied. Seine Berühmtheit erlangte es im 19. Jahrhundert in den USA. Der Text „Amazing Grace“ in Verbindung mit der heute bekannten Melodie wurde das erste Mal unter dem Titel „New Britain“ 1835 in „The Southern Harmony and Musical Companion“, hg. von William Walker veröffentlicht. Heute ist das eines der bekanntesten Lieder im englischsprachigen Raum, tausendfach interpretiert; mehrfach ideologisch für die Durchsetzung von politischen, religiösen, herrschenden und unterdrückten Interessen verwendet, gilt es als Sinnbild für die Werte der christlichen, westlichen Welt. Doch seine Botschaft ist eine universelle, ein Aufruf zum Frieden unabhängig von Nation und Religion. Diese Botschaft findet sich auch im Text „A so a Segen“ von Hubert von Goisern wieder.
In den kommenden Schuljahren sind alle österreichischen Schulstufen und -typen eingeladen, die Lieder musikalisch im Rahmen von Musik-, Tanz-, Rhythmus- oder Musiktheaterprojekten einzustudieren. Dabei können die Lieder mannigfaltig interpretiert, sowie in verschiedenen Sprachen, gestalterisch und kulturgeschichtlich erarbeitet werden. Mit dem Singen der Lieder sollen Beziehungen zu anderen Kulturen, Kunst- und Kulturformen, neuen Medien und zu außerschulischen Einrichtungen hergestellt, sowie Begegnungen zwischen Generationen und zu Menschen mit besonderen Bedürfnissen geschaffen werden.
Die Volksliedwerke der Bundesländer unterstützen bei der Umsetzung der Projekte mit Vermittlungsmaterial, ReferentInnen und finanziellen Mitteln.
Kontakte unter: www.mit-allen-sinnen.at. Anregungen zu Interpretations- und Vermittlungsformen finden sich unter www.volksmusikland.at/lernen.