Buchpräsentation: 22. Oktober 2026, 18 Uhr
Susana Zapke (Hg.)
100 Jahre Radio in Österreich
Von der RAVAG zum ORF 1924–2024. Programmatik und Wirkungsmacht eines Massenmediums
Programmatik und Wirkungsmacht eines Massenmediums
Im Namen von Bildung und Aufklärung sowie im Zeichen der Demokratie, der flachen Hierarchien und des Friedens startete im Jahr 1924 die Radio-Verkehrs-Aktiengesellschaft (RAVAG), deren Programmatik auch zur Stärkung der Nationalidentität einer jungen Republik beitragen sollte. Unterbrochen wurden diese hohen Ideale durch die totalitären Ideologien des Austrofaschismus und des Nationalsozialismus. Nach den Jahren des propagandistischen Missbrauchs schrieben sich im Jahr 1945 die Alliierten mit dem Auftrag, die Bevölkerung zu redemokratisieren, in die Geschichte des österreichischen Rundfunks ein.
Die Autorinnen und Autoren dieses Bandes zeichnen die Geschichte dieser 100-jährigen nationalen Medienapparatur nach. Sie beleuchten dabei u. a. die nationalsozialistische Programmierung der RAVAG, den Einfluss des Föderalismus auf das Radio, Rundfunkpolitik zwischen Proporz und Kaltem Krieg oder die Bau- und Planungsgeschichte der RAVAG im ersten Funkhaus in der Johannesgasse.
Ein Beitrag von CHRISTIANE FENNESZ-JUHASZ UND ERNA STRÖBITZER widmet sich den „Volksliedersingen“ der RAVAG zwischen 1934 und 1937
Weitere Details zum Inhalt: Hollitzer Verlag
Ort der Buchpräsentation MUK – Musik und Kunst Privatuniversität der Stadt Wien
Erkersaal, Johannesgasse 4a, 1010 Wien
Eröffnung: Rektor Dr. Andreas Mailath-Pokorny
Online-Ausstellung der Österreichischen Nationalbibliothek.
1. Oktober 2024 bis 31. März 2025
auf der Website der Österreichischen Nationalbibliothek.
Im Rahmen einer Kooperation der Österreichischen Nationalbibliothek mit der Österreichischen Akademie der Wissenschaften und dem Österreichischen Volksliedwerk wird einer der bedeutendsten historischen Audio-Bestände zur österreichischen Volksmusik hörbar. Der Bestand ist Teil des UNESCO „Memory of Austria“ und dokumentiert das Singen der zumeist ländlichen Bevölkerung von 1934 bis 1937 im Rahmen der Reihe „Volksliedersingen“ der Radio-Verkehrs-AG, der Vorläuferin des ORF.
Die Ausstellung zeigt nicht nur Protagonist*innen und Tondokumente, sie stellt das Geschehen auch im ideologischen Kontext der Dollfuß-Schuschnigg-Diktatur (1934–1938) dar, die vitales Interesse am Aufbau einer österreichischen Identität hatte. Bewerbungsformulare und Protokolle, Liedtexte und Notenhandschriften, Zeitungsausschnitte und Fotos machen die Reihe „Volksliedersingen“ vor ihrem historischen Hintergrund nachvollziehbar. Die unterschiedlichen, sorgfältig gestalteten Kapitel sind nach österreichischen Bundesländern aufgeteilt und mit Bildern, Beispielen und Hörproben ansprechend aufbereitet.
Von 1934 bis 1937 führte die Radio-Verkehrs-AG (RAVAG) zwölf Veranstaltungen der Reihe „Volksliedersingen“ in allen Bundesländern außer Wien durch. Dafür wurden Laiensänger*innen der jeweiligen Region dazu eingeladen, ihre Volkslieder öffentlich vorzutragen. Eine Expertinnen-Jury entschied, welche davon im Radio gesendet oder zur Archivierung aufgenommen wurden.
Im Phonogrammarchiv der Österreichischen Akademie der Wissenschaften sind die Aufnahmen von rund 270 Einzeltiteln erhalten, die das Singen der Bevölkerung aus allen Bundesländern, einschließlich der Burgenländischen Kroat*innen, festhalten. Die vielfältige Dokumentation der Veranstaltungen wird im Archiv des Österreichischen Volksliedwerkes, einer Sammlung der Österreichischen Nationalbibliothek, verwahrt.
Aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts gibt es nur wenige Tondokumente, die das nicht-professionelle Singen von Volksliedern in Österreich überliefern. Von der damaligen Volksmusikpraxis zeugen vor allem im Studio aufgenommene Schallplatten für die Unterhaltungsindustrie oder einige wenige Forschungsaufnahmen. Die neue Online-Ausstellung „Tonspuren der Heimat“ bietet der Reihe „Volksliedersingen“ der RAVAG nun eine neue Bühne.
