Emilius Carolus und Karl Giglleithner sind wenig bekannte, vielen sogar unbekannte Namen der Volksliedforschung. Beide Namen sind Pseudonyme, und Nutzer beider war ein und derselbe Mann. Der wiederum ist deutlich bekannter. Es war Emil Karl Blümml. Sein Todestag jährt sich dieses Jahr zum 100. Mal. Aus diesem Anlass erinnert das Österreichische Volksliedwerk an seine wichtige Persönlichkeit und seine vielfältigen wissenschaftlichen Interessen, die ihm sogar ordentliche Konflikte mit dem damaligen Patron der Volksliedsammlung Josef Pommer einbrachten. Der bemühte sich um die Aberkennung von Blümmls Doktortitel. So viel sei verraten. Es kam nie so weit.
Emil Karl Blümml zählt unter den Volksliedforscher*innen zu den bedeutenden Persönlichkeiten, da auch Blümml an der Entstehung der Volksliedwerke beteiligt war. Obwohl seine Anfänge der wissenschaftlichen Betätigung gar nicht in der Musikethnologie lagen, sondern in der Biologie. Er verfasste etwa Aufsätze zu Vorkommen, Geschlechtsteilen oder dem Präparieren von Insekten. Den Weg eines jungen Mannes von der Biologie zur Musikwissenschaft und Sozialgeschichte, der schon vor der Matura rund zwanzig wissenschaftliche Schriften veröffentlichte, hat die Musikwissenschaftlerin und Archivmitarbeiterin im Wiener Volksliedwerk Martha Vevera beforscht.

Geboren am 25. Oktober 1881 in Wien-Währing, besuchte Blümml bis zwei Jahre vor der Matura das Gymnasium, das er aus Geldmangel nicht beenden konnte. Bis zur Matura erhielt er seinen Unterricht zu Hause. Nach bestandener Externistenmatura inskribierte Blümml noch im selben Jahr (1900) an der Universität Wien und schloss sein Studium, nach einer Unterbrechung, mit der Doktorarbeit Zur Motivengeschichte des deutschen Volksliedes ab. Während seiner universitären Pause begann er seine Herausgebertätigkeit. 1908 begann er, seine Quellen und Forschungen zur deutschen Volkskunde herauszugeben, die bis heute einen berechtigten Stellenwert in der Volksmusikforschung haben. (aus Bockkeller – die Zeitschrift, 24 Jg.,2018, H1, S. 8). Martha Vevera hebt u.a. seine Betätigungsfelder innerhalb der Volksliedforschung hervor: „Selten schrieb ein Volksliedforscher über so viele verschiedene Themen. In seinem Werkverzeichnis finden sich Arbeiten zu Liedern und Handschriften aus dem 15. bis 17. Jahrhundert, geistliche Lieder, Volksbräuche, Kinderlieder und Reime, auch einiges über französische Volks- und Protestlieder, Volksmärchen, Andreas Hofer-Lieder, Napoleon und Alt-Wiener-Gitarrenmacher. Auch Außereuropäisches ist zu finden, so hat Blümml einen kurzen Beitrag über indische Lieder der Askese verfasst. Er arbeitete auch biografisch, etwa recherchierte er zur Dichterin Caroline Pichler und schrieb über Grillparzer und dessen Bezug zum Volkslied. Blümml leistete darüber hinaus mehrere Beiträge zur Mozartforschung mit seinem publizierten Werk Aus Mozarts Freundes- und Familienkreis. In den letzten Lebensjahren beschäftigte er sich gemeinsam mit seinem Freund Gustav Gugitz (1874-1964) mit der Lokalhistorie Wiens.“ (aus: JBÖVLW 67/68, S. 122.) Das Besondere bei Emil Karl Blümml ist seine Beschäftigung mit diesen verschiedensten Themenbereichen, die überaus breit gefächert sind. Sein Betätigungsfeld umfasste auch Soldatenlieder und erotische Volkslieder. (aus Bockkeller-die Zeitschrift, 24 Jg.,2018, H1, S. 8). Die Veröffentlichung ebenjener erotischer Volkslieder führte zum Skandal. Sein viel zu kurzes Leben beendete ein tragischer Straßenbahnunfall am 26. April 1925.
Das Archiv des Österreichischen Volksliedwerkes / Österreichische Nationalbibliothek beherbergt Aufsätze, Liedeinsendungen, private Notizen sowie Nachrufe auf den Volksliedforscher Emil Karl Blümml. Es sei an dieser Stelle noch an Martha Veveras Eintrag zu Emil Karl Blümml im Österreichischen Musiklexikon hingewiesen.
Hier finden Sie die beiden Aufsätze von Martha Vevera über den aktuellen Forschungsstand
– Martha Vevera, Emil Karl Blümml 1881-1925, in: Bockkeller, Zeitschrift des Wiener Volksliedwerks 24. Jg., 2018, Heft 1, S. 7-10. (Aufsatz als pdf)
– Martha Vevera, Emil Karl Blümml (1881-1925). Ein biografischer Rückblick, in: Jahrbuch des Österreichischen Volksliedwerkes 67/68, 2019, S.117-174. (Aufsatz als pdf)
Nahelegen dürfen wir Ihnen zusätzlich Literatur zu Emil Karl Blümml im Archiv des Österreichischen Volksliedwerkes.
Veranstaltungshinweis: Der Kulturverein K.U.N. – Klassisches und Neues veranstaltet am 03. Juni 2025 im Festsaal des Amtshauses Währing einen Liederabend, an dem die Sängerin, Gitarristin und Schauspielerin Johanna Beisteiner erotische Volkslieder aus der Sammlung Blümml präsentieren wird (siehe unter Events).
