Pfeifen und Trommeln in der Volksmusik
Vortrag, Archivführung und Musikant*innen Stammtisch

3. Oktober 2026

Programm:
19 Uhr: Vortrag Hartmut Liedl: Pfeifen und Trommeln in der Volksmusik

20+22 Uhr: Archivführung mit Erna Ströbitzer – Archiv des Österreichischen Volksliedwerkes / Österreichische Nationalbibliothek

21 Uhr: Offenes Musizieren / Musikantenstammtisch

Mit einem Vortrag gibt der in Salzburg lebende Schwegelbauer Hartmut Liedl Einblicke in die Traditionen der Seitlpfeifer und Landsknechttrommler.

Die Archivführungen widmen sich u.a. dem Spezialthema Schwegel/Seitlpfeife und Landsknechttrommel im Salzkammergut sowie dem Nachlass von Georg Kotek anlässlich der Ausstellung „Schräges Erbe“ im Bezirksmuseum Neubau.

Anschließend können sich die Besucher*innen auch aktiv beim Offenen Musizieren/Musikantenstammtisch beteiligen oder einfach nur diese informelle Tradition des Musizierens kennenlernen.

Tickets
Das Österreichische Volksliedwerk ist während seiner Öffnungszeiten offizielle Ticket-Verkaufstelle für die ORF-Lange Nacht der Museen (Ticket gilt für ALLE teilnehmende Museen und als Öffi-Fahrschein).
Detailinfo zur ORF-Langen Nacht der Museen 2026 hier.

Bild: Seitnpfeifer und Trommler aus dem Salzkammergut: Hermann Moser (Trommel), Johann Kain sen. (Seitenpfeife/ Seitlpfeifer/ Schwegel), Bergmeister Leopold Khals (Seitenpfeife/ Schwegel) aus dem Salzkammergut / Bad Ischl, 1929

Das Bezirksmuseum Neubau feiert sein 60-jähriges Jubiläum mit einer Sonderausstellung rund um den Gründer Georg Kotek – Seilschaften, Ausgrenzung und das UNESCO „Memory of Austria”.

19.9.26 – 27.1.2027, Mittwoch, 17 bis 19 Uhr, Samstag, 10 bis 13 Uhr.

Am 19. September 2026, 18:30 Uhr, eröffnet das Bezirksmuseum Neubau sein 60. Jubiläumsjahr mit einer Ausstellung zum Gründer, dem Volksliedsammler Georg Kotek. Getragen wird die „Ausstellung an drei Orten“ vom Bezirksmuseum Neubau, dem Österreichischem Volksliedwerk, dem Wiener Phonomuseum und dem Phonogrammarchiv der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Das Jubiläumsprogramm wird u.a. unterstützt von der Arbeitsgemeinschaft der Wiener Bezirksmuseen, der edition exil, Wunderwien.at, den Vereinen für Kultur des Widerstands, des Exils und der Aufklärung und Improvision, sowie der Kulturabteilung der Stadt Wien.

Ein Plakat mit einer schief stehenden Statue, die einen Mann im Trachtengewand darstellt. Sein Name ist Georg Kotek. Das Plakat kündigt eine Ausstellung zum 60. Gebirtstag des Bezirksmuseums Neubau an.
Schräges Erbe – Jubiläumsprogramm des Wiener Bezirksmuseums Neubau

Georg Kotek (1889–1977) trug mit seiner Sammelleidenschaft wesentlich zum Erhalt österreichischen Kulturguts bei: Seine Sammlung zum RAVAG-Volksliedersingen 1934–1937 wurde 2014 UNESCO „Memory of Austria”, sein Nachlass findet sich im Archiv des Österreichischen Volksliedwerks / Sammlung der Österreichischen Nationalbibliothek. Wochentags Verwaltungsdirektor und in der Freizeit in Tracht unterwegs in die Steiermark oder zum Schneeberg, sammelte und vernetzte Kotek stets unter strikter Einhaltung der Arierparagraphen, die der systematischen und rassistischen Ausgrenzung von Juden dienten. Als „Jünger” des angesehenen Deutschnationalisten und Antisemiten Josef Pommer trug er zwei Diktaturen willfährig mit. Ein großes Vereinsnetzwerk ließ ihn sich stets gut “freischwimmen”. Mit 77 Jahren initiierte er als eine seiner letzten Gründungen das Bezirksmuseum Neubau.

„Ein Erbe wird nicht leichter, indem man Teile verschweigt. Wir dürfen als Museum keine Angst haben, unser schräges Erbe zu thematisieren, denn nur ein kritisches Aufarbeiten der Geschichte ermöglicht, dass Vergangenes nicht wiederholt wird”, so Kurator Paul Kassing. Das Team Lizkor („erinnern”) unter der Leitung von Elisheva Malowicki macht jene Leerstellen sichtbar, die die engagiert angewendeten Arierparagraphen in Koteks Sammlung und die NS-Diktatur an seinem Arbeitsplatz und in seinem Wohnhaus in der Kirchengasse hinterlassen haben.

„Das Fehlende ist immer Teil der Geschichte, manche Leerstellen entstehen durch absichtsvolle Ausgrenzung, andere durch Desinteresse am scheinbar Unwichtigen.” – Elisheva Malowicki, Museumsmitarbeiterin.

Strategieprozess ab Oktober 2026: Was soll ein Bezirksmuseum sammeln und bewahren? Auftakt ist die ORF-Lange Nacht der Museen am 3.10.2026 im Österreichischen Volksliedwerk: Erna Ströbitzer bietet zwei Archivführungen rund um den Nachlass Kotek, zusätzlich angeboten wird ein Vortrag zur Landsknechttrommel und ein Offenes Singen (Info auf der Website der Langen Nacht der Museen). Es folgen Archivarbeitstage, Vorträge, Workshops und Ausflüge, die – begleitet vom Wien Museum – bis Herbst 2027 in die erste Sammlungsstrategie des BM7 münden sollen.

2027

„Schräges Erbe” wandert ab Februar 2027 weiter ins barrierefreie Österreichische Volksliedwerk (Operngasse 6, 1010 Wien) und ordnet Kotek in sein Umfeld ein: seine Kindheits- Sommerfrische in NÖ, seinen geistigen Vater Josef Pommer, seine RAVAG-Tätigkeit sowie zeitgenössische Bezirkspersönlichkeiten – etwa die Bergsportpionierin Mizzi Langer, deren NS-Rolle im Nachgang einer Platzbenennung 2024 neu diskutiert wird (ein Prozess, den Monika Grußmann, Leiterin des BM Neubau, 2024 durch gezielte Hinweise an einen Journalisten angestoßen hat). Gegenübergestellt werden Neubauer Proponentinnen der Wiener Moderne wie Gustav Klimt, Vally Wieselthier, Fritz Lampl, Jura Soyfer und andere.

„Volkskultur war und ist immer auch politisch. Die Medienbiographie Georg Koteks zeigt Brüche und Kontinuitäten österreichischer ‚Brauchtumspolitik‘ in den Medien. Das Wiener Phonomuseum macht historische Leerstellen hörbar” – Johannes Kapeller-Hallama, Wiener Phonomuseum

„Heimat ist kein Herkunftsnachweis, sondern ein Zukunftsversprechen. Doch Zukunft kann erst entstehen, wenn auch die Leerstellen der Sammlung sichtbar sind.” – Ruth Pfosser, Kunsthistorikerin. Ein umfangreiches Begleitprogramm mit viel Musik und für alle Altersstufen ist in Vorbereitung.

Ausstellungsteam
Idee, Kooperationen, Gesamtkonzept, Formatentwicklung, Grafik, Raumdesign: Monika Grußmann
Kurator der Ausstellung Kotek: Paul Kassing, Team: Elisheva Malowicki, Ruth Pfosser, Sebastian
Steinlechner, Ernst Michalek und Helga Korodi sowie Erna Ströbitzer (Archiv des Österreichischen Volksliedwerkes / Sammlung Österreichische Nationalbibliothek) und Johannes Kapeller-Hallama (Wiener Phonomuseum).


Standorte

Bezirksmuseum Neubau, 7., Stiftgasse 8
Österreichisches Volksliedwerk, 1., Operngasse 6
Wiener Phonomuseum, 6., Mollardgasse 8

Neuer Beitrag zum Forschungsblog der Österreichischen Nationalbibliothek

Teresa Hellweger – Mitarbeiterin des Archivs des Österreichischen Volksliedwerkes (AÖV) – veröffentlicht einen weiteren Beitrag zum Forschungsblog der Österreichischen Nationalbibliothek. In ihrer jüngsten VPublikation bespricht sie das Wirken des Volksliedsammlers Franz Schunko, anlässlich dessen 50. Todestages das AÖV Einblicke in seinen Kryptonachlass gewährt.

Teresa Hellweger, Zwischen Sammlung und System – Franz Schunko als Bewahrer, Sammler und Forscher (Weiterleitung zur Website der Österreichischen Nationalbibliothek)

Franz Schunko nimmt zwei Gewährspersonen mit einem Tonbandgerät in Petersbaumgarten auf
Franz Schunko nimmt zwei Gewährspersonen mit einem Tonbandgerät in Petersbaumgarten auf. (ÖN 13-(4)-3, A 22,2)

Frühere Beiträge des Archivs des Österreichischen Volksliedwerkes zum Forschungsblog der Österreichischen Nationalbibliothek

Sammlung Karl Liebleitner | Archiv des Österreichischen Volksliedwerkes / Österreichische NationalbibliothekA 355/1/78

Die Sammlung Karl Liebleitners – Das Volkslied als Leidenschaft
Teresa Hellweger vom Archiv des Österreichischen Volksliedwerkes / Österreichische Nationalbibliothek hat sich eingehend mit Karl Liebleitner befasst und für den Forschungsblog der Österreichischen Nationalbibliothek einen Beitrag mit dem Titel „Die Sammlung Liebleitners – Das Volkslied als Leidenschaft“ verfasst. Der Sammler hinterließ dem Österreichischen Volksliedwerk mit über 6000 Liedern eine der größten Sammlungen österreichischer Volksmusik.

Ex Libris Konrad Mautner / Archiv des Österreichischen Volksliedwerkes, Österreichische Nationalbibliothek

Die Sammlung Konrad und Anna Mautner im Archiv des Österreichischen Volksliedwerkes
2018 erwarb das Österreichische Volksliedwerk ein Konvolut aus seinem Nachlass aus dem vom Volkskundemuseum Wien an die Familie Mautner restituierten Bestand Anna und Konrad Mautner. Diese handschriftlichen Lieder, Musikstücke und Texte wurden katalogisiert. Ein großteils ist über die Notenrecherche mit ABCs sowie Fingerprints versehen und auch digitalisiert.

Die Geschichte der Sammlung ist in einem Forschungsblog der Österreichischen Nationalbibliothek nachzulesen.
Zum Forschungsblog
Autor*innen: Erna Ströbitzer und Teresa Hellweger

Das Landl-Quartett
Zum Andenken an Gerlinde Haid (19.4.1943–29.11.2012) zum 10. Todestag. Das Landl-Quartett, ein unkonventionelles österreichisches Vokalensemble um die Volksmusikforscherin Gerlinde Haid, stand für einen neuen Zugang zu Volksmusikpflege und Musikvermittlung in den 1980er-Jahren. Lesen Sie mehr über die faszinierende Geschichte dieses Quartetts, über seine Gründung und die Namensgebung in einem Beitrag von Erna Ströbitzer, wissenschaftliche Mitarbeiterin im Archiv des Österreichischen Volksliedwerks.

Link zum ÖNB Forschungsblog