Sommerakademie 2018

Sujetm_oText
Handschrift aus dem Zoderarchiv E 061.
Steirischer Ländler Violine 1 aufgezeichnet von Alois Maurer 1840
und Hermann Fritz Banda © Simon Wascher

Volkskultur als Dialog: Erbschaften II Traditionslinien & Prägungen

22. – 25. August 2018, Gmunden
Der Begriff Erbschaften folgt einer Idee, die in das Denken der Moderne gehört. Diese Moderne findet und erfindet derzeit intensiv mit Begriffen wie Erinnerungskultur, immaterielles Erbe oder „Heritage“ ihre eigenen Herkunftsgeschichten in Mustern der Kontinuität. Gedächtnis und Vermächtnis liegen nah beieinander. In diesem Sinne erscheinen Volkslied, Volksmusik, Volkstanz, Mundart, Tracht, Brauchtum… in nationale und regionale Repräsentations- und Identitätsmuster implementiert.

Bei der Sommerakademie 2018 sollen die Volksliedwerke und die Neuaufstellung des 1904 gegründeten Unternehmens nach 1945 im Mittelpunkt stehen. Seit der sog. Stunde Null haben die Volksliedwerke der Bundesländer unterschiedliche Schwerpunkte ihrer Arbeit entwickelt und unterschiedlich gewichtet. Ihre Aufgaben gehen von der Sammlung, Archivierung, Forschung und Pflege bis hin zu einer professionellen Kultur- und Musikvermittlung in zeitgenössischen Kontexten.

Alle diese „Äste“ sind gemeinsam zu Alleinstellungsmerkmalen der Volksliedwerke geworden. Dabei haben sich nach 1945 TraditionsIinien ausgebildet, die eng an Maßgebenden Persönlichkeiten orientiert sind und sich regionaler Programmatik verpflichtet fühlen. Derartige StilbildnerInnen als ProduzentInnen von Traditionslinien haben mit Hilfe einzelner Merkmale, wie Rhythmik, dominierenden Instrumenten, spezifischer Melodieführung und Aufführungspraxen Stile markant gemacht und oft auch pädagogisch neu gedeutet. Ihre Dokumentationen und Liederbücher waren durch typische Stile ausgezeichnet und als unverwechselbar, „eigen“ deklariert. So sind sie nicht selten zu regionalen Erkennungszeichen geworden.

Gefragt ist daher die Rolle prägender Persönlichkeiten der Volkskultur in der 2. Republik und die Frage, wo und wie es wirklich Neuanfang gab. In diesem Zusammenhang ist auch die Frage nach dem Einfluss verwandter Wissenschafts- und Bildungseinrichtungen zu stellen.

Neben Kontinuitäten gilt das Interesse der Tagung auch Brüchen, die man als Neuansätze verstehen kann und die heutzutage mit „Paradigmenwechsel“ benannt werden. Die neuen Perspektiven und Orientierungen von sich verändernden Gesellschaften seit 1945 lassen sich auch als Chancen für Potentiale der Volkskultur formulieren. Solche Potentiale liegen etwa in der Reflexion über (auch neue) Medien und deren Inhalte, am Interesse an neuen oder sich ändernden Zielgruppen sowie neuen Aufführungspraxen, Orten und Anlässen, über die wir diskutieren wollen.

Das Programm

Mittwoch, 22. August 2018

„Erbschaften“

16.00 – 18.00 Uhr

Gruß aus dem Archiv: Steirischer Ländler

Einführung. Konrad Köstlin, Vizepräsident und Leiter der wissenschaftlichen Kommission des Österreichischen Volksliedwerks

Die frühen Jahre des Österreichischen Volksliedwerks im Kontext der europäischen Volksmusikforschung und der internationalen Ethnomusikologie. Ulrich Morgenstern, Institut für Volksmusikforschung und Ethnomusikologie an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien

Erbe und Archiv, Praktiken des Sammelns und Zugänglichmachens in der Österreichischen Mediathek. Christina Linsboth, Österreichische Mediathek

19.30 Uhr 
Empfang im Rathaus der Stadt Gmunden

Donnerstag, 23. August 2018

„Regionales Erbe“

9.00 – 12.00 Uhr

Der Wiener Walzer als österreichisches immaterielles Kulturerbe. Harald Huber, Präsident des Österreichischen Musikrats, Institut für Theorie und Geschichte der Popularmusik an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien

Tradition am Puls der Zeit. Das Steirische Heimatwerk. Monika Primas, Geschäftsführerin Volkskultur Steiermark GmbH

Mythen, Magie, Männerbund. Richard Wolframs Brauchtumsideologie und kein Ende? Ulrike Kammerhofer-Aggermann, Leiterin, Salzburger Landesinstitut für Volkskunde

15.00 – 19.00 Uhr

Exkursion nach Ebensee

Entwicklungen und Ereignisse des Salzkammergutes 1918-1955. Wolfgang Quatember, Leiter, Zeitgeschichte Museum & KZ- Gedenkstätte Ebensee

Wo Industrie und Kultur einander begegnen! Geschichte und Brauchtum erleben. Franz Gillesberger, Leiter, Museum Ebensee

19.30 Uhr
Festabend in der Mostschenke im Heustadel in Ebensee
mit „Dampfplauderer. Musik aus Übermut“ und zufälligen musikalischen Begegnungen.

Freitag 24. August 2018

„Prägungen“

9.00 – 12.00 Uhr

Neubeginn oder Fortsetzung? Musikschulen nach 1945. Elisabeth Deutsch, Kultur.Region.Niederösterreich/Musikschulmanagement Niederösterreich

Paradigmen des Familienmusizierens. Das Beispiel der Familienmusik Waldauf. Martin Waldauf, Fachinspektor für Musik Landeschulrat Tirol

Berührungen zwischen Mundartforschung und Volkslied. Einige biographisch-wissenschaftshistorische Streiflichter. Hubert Bergmann, Institut für Neuzeit- und Zeitgeschichtsforschung, Österreichisches Biographisches Lexikon an der Österreichischen Akademie der Wissenschaften

15.00 – 19.00 Uhr

Das „burgenländische“ Heanzenquartett. Phänomenologische Anmerkungen zu dessen Gründung vor 42 Jahren. Sepp Gmasz, Musiker, Regionalforscher, Ehrenobmann des Burgenländischen Volksliedwerks

Die Grenzen melodischer Erbschaften. Walter Deutsch, Ehrenpräsident des Österreichischen Volksliedwerks

Stilbildner als Produzent von Traditionslinien. Diskussion mit Musikern Peter Moser (T), Peter Windhofer (Slzbg), Volker Derschmidt (OÖ) und Hermann Fritz (OÖ/Wien) sowie Videobotschaften von Marie Theres Stickler und Julia Lacherstorfer (ALMA) und von Manuela Kerer (Komponistin)

Samstag, 25. August 2018

„Die Rolle der Volksliedwerke“

9.00 – 13.00 Uhr

Vom Volksliedwerk zur Volkskultur Niederösterreich. Kontinuitäten und Brüche. Bernhard Gamsjäger, Volksmusikforscher, Kultur Region NÖ/ Volkskultur Niederösterreich

Georg Kotek (1889-1977). Erna Ströbitzer, Archiv des Österreichischen Volksliedwerks

Karl Magnus Klier und der Schwegelpfeifenbauer Hausa Schmi(e)dl. Blitzlichter aus den 1930er Jahren. Susanne Schedtler, Geschäftsleiterin & Archivleiterin Wiener Volksliedwerk

Diskussion, Resümee der Sommerakademie und Ausblick. Ulrich Morgenstern, Institut für Volksmusikforschung und Ethnomusikologie an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien

Die Sommerakademie ist öffentlich zugänglich, bietet im Anschluss Zeit für Diskussionen und sofern nicht anders vermerkt, findet sie im Hotel Magerl in Gmunden statt.

Das Programm ist in Zusammenarbeit mit der Wissenschaftlichen Kommission des Österreichischen Volksliedwerks entstanden.