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Wir und die Anderen


Sommerakademie "Volkskultur als Dialog"

27.-30. August 2014, Gmunden am Traunsee

Wenn wir bei der diesjährigen Sommerakademie den vielfältigen Ausdrucksformen des „Wir und die Anderen“ nachspüren, dann wollen wir über einen vernünftigen Umgang mit Grenzen und ihren Markierungen in der Volkskultur nachdenken.

Volkskultur kann zur Verständigung mit der eigenen Umwelt beitragen, wo sie in modernen Gesellschaften als Ausdrucksmittel des Eigenen gesehen wird. Lieder handeln fast immer vom Eigenen, von Lebensumständen und Gefühlen, auch von Besonderheiten. Gerade in der Betonung des Eigenen sagen sie - nicht immer explizit - auch etwas über die Anderen aus.
Sozialkritische Lieder über ungerechte Zustände können auch von Selbstbewusstsein zeugen. „Volkslieder demokratischen Charakters aus sechs Jahrhunderten“ hat Wolfgang Steinitz gesammelt und Hermann Strobach hat die Aufmerksamkeit auf „Bauernklagen“ gelenkt. Dies war ein Akzent, der nicht zufällig in der DDR betont und später im Folk aufgenommen wurde.
Viele Lieder über (und nicht von!) Wildschützen behandeln den Traum von einer gerechten, freien Welt, in der man angstfrei leben kann. Sie machten (und machen) selbst in ihrer verwaschensten Form, dem volkstümlichen Schlager, Sinn und Hoffnung in einer Welt, in der die Umstände ein solches Leben nicht zulassen.
Bei uns haben Minderheiten vielfach erst in der Diaspora ihre Lieder zu Hymnen gemacht und bewusst als Ausdruck von Zusammengehörigkeit und Selbstbehauptung, aber auch des Andersseins genutzt. So haben Lieder ihre Zeiten und Konjunkturen, sind oft mehrdeutig.
„Wir und die Anderen“ erscheint heute besonders aktuell, weil traditionelle und neue Lieder (und auch andere kulturelle Embleme des Eigenen, wie dem Regionalen) in Umbruchsituationen entlang geographischer, kultureller und religiöser und auch auf das Geschlecht bezogener Konfliktlinien aktualisiert werden. Lieder und Volkskultur insgesamt können die eigenen Fähigkeiten, das eigene Leben, den eigenen Ort, die eigene Gruppe und ihre Gefühle preisen. Solche Selbstfeier hat mit der Klärung von Identität zu tun.
Die Lieder auf Heimat, Bundesland, Dorf und Stadt, auf Berufe, die Stadiongesänge der Fans muss man kennen und können, um dazuzugehören, sie klären das „Wir und die Anderen“. Hymnen können Symbole eines Anspruchs der Mehrheit wie auch stolze Signale der Anderen sein, die sich davon abgrenzen wollen. Kurz: Im Dialog der Gruppierungen und im Gewahrwerden des Anderen ergeben sich vielfältige Formen von Begegnungen als Verbindungen zwischen Menschen und Kulturen. Sie eröffnen Potenziale für kreative Schaffensprozesse.

Zur Sommerakademie „Volkskultur als Dialog – Wir und die Anderen" heißen wir Sie alle, Vertreterinnen von volkskulturellen Verbänden, Initiativen und Einrichtungen sowie Musikerinnen, Sängerinnen und Tänzerinnen, Pädagoginnen, Studentinnen, Kulturwissenschaftlerinnen, Vertreterinnen aus Wirtschaft und Tourismus (und selbstverständlich ihre männlichen Pendants) und alle an Volkskultur und deren Nutzen interessierte Personen herzlich willkommen!


Das Programm 2014


Mittwoch, 27. August 2014

16 – 18 Uhr
 -) Der Dialog mit Volkskultur. Wir und die Anderen. Konrad Köstlin, Vizepräsident und Leiter der wissenschaftlichen Kommission des Österreichisches Volksliedwerks
 -) „Jodler und Juchezer, gesammelt von Dr. Josef Pommer“ - „kerndeutsch“. Die Kulturtechnik der Abgrenzung durch bestimmte Formen von Musik. Iris Mochar, Wiener Volksliedwerk
 
19.30 Uhr
Empfang mit Musik im Rathaus der Stadt Gmunden
 

Donnerstag, 28. August 2014

 9 – 12 Uhr
-) Mit gespaltener Zunge. Zweisprachige Lieder als Forschungsfeld. Eckhard John, Deutsches Volksliedarchiv
-) HOBO, HONKY, HOOLAREI. Streifzüge durch die Ethnic German-Bohemian Music des amerikanischen Mittleren Westen. Marie-Theres Stickler, Musikerin, Absolventin der Universität Mozarteum Salzburg
-) "Es sind zween Weg in dieser Zeit ...". Musik und Identität bei den Amischen in Kalona, Iowa. Thomas Nussbaumer, Institut für Musikalische Volkskunde Innsbruck, Universität Mozarteum
 
15 – 17 Uhr
-) „Ethno“ – internationale Folksmusik-Workshopwochen für junge MusikerInnen. Projektpräsentation und Workshop mit Stephan Steiner, Musiker und Musikpädagoge (Mitwirkung u.a. bei Ethno Histria / Slowenien) und Friederike Lilien Abitz, Musikerin (Organisatorische Leitung: Ethno Germany, ein Projekt der Jeunesses Musicales Deutschland)
 
19.30 Uhr Seegasthof - Hotel Hois'n Wirt
WIMOWEAN - The Lion Sleeps Tonight - Lieder aus Österreich und dem südlichen Afrika
Mit Insingizi (Simbabwe), Herbert Bäuml, Herbert Zotti & TeilnehmerInnen der Sommerakademie
  

Freitag, 29. August 2014

 9 – 12 Uhr
-) Die Lieder der Anderen. Musik von Minderheiten in Österreich. Marko Kölbl, Institut für Volksmusikforschung und Ethnomusikologie, Universität für Musik und darstellende Kunst Wien
 -) "Das gibt’s allani nur in Wien" – Wien und der Rest der Welt. Herbert Zotti, Wiener Volksliedwerk
 -) Ich und die anderen - Sinn(en)volles Tanzen. Workshop zum Schulprojekt „Mit allen Sinnen“ an Sonderpädagogischen Zentren. Else Schmidt, Lehrerin am Haydn-Gymnasium Wien, Musik- und Tanzvermittlerin

 15 – 18 Uhr
-) Der Dialekt des Heimatliedes. Ingeborg Geyer, Österreichische Akademie der Wissenschaften
 -) Die alten „Hådern“ werden aber an neuen Liederbüchern vorbeiklingen.“ (H. Härtel) – Gedanken zu gern gesungenen Heimatliedern in Tirol. Sonja Ortner, Tiroler Volksliedarchiv / Tiroler Volksliedwerk
 -) Interpretationsraum Regionalkultur. Sackgasse oder Boden für bedürfnisgerechte Entwicklungskonzepte. Ulrike Kammerhofer-Aggermann, Salzburger Landesinstitut für Volkskunde
 

Samstag, 30. August 2014

 9 – 13 Uhr
-) Musik und Tanz der Burgenlandkroaten. Workshop mit Marko Kölbl, Institut für Volksmusikforschung und Ethnomusikologie, Universität für Musik und darstellende Kunst Wien 
 -) Resümee und Ausblick zur Sommerakademie. Abschlussdiskussion mit Justin Stagl  
 

Alle Programmpunkte sind öffentlich zugänglich, bieten im Anschluss Zeit für Diskussion und finden, sofern nicht anders vermerkt, im Hotel Magerl in Gmunden statt.
 
Das Programm ist in Zusammenarbeit mit der Wissenschaftlichen Kommission des Österreichischen Volksliedwerks entstanden.