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Volkskultur als Dialog

Erbschaften II Traditionslinien & Prägungen


22. – 25. August 2018, Hotel Magerl Gmunden

Der Begriff Erbschaften folgt einer Idee, die in das Denken der Moderne gehört. Diese Moderne findet und erfindet derzeit intensiv mit Begriffen wie Erinnerungskultur, immaterielles Erbe oder „Heritage“ ihre eigenen Herkunftsgeschichten in Mustern der Kontinuität. Gedächtnis und Vermächtnis liegen nah beieinander. In diesem Sinne erscheinen Volkslied, Volksmusik, Volkstanz, Mundart, Tracht, Brauchtum… in nationale und regionale Repräsentations- und Identitätsmuster implementiert.
Bei der Sommerakademie 2018 sollen die Volksliedwerke und die Neuaufstellung des 1904 gegründeten Unternehmens nach 1945 im Mittelpunkt stehen. Seit der sog. Stunde Null haben die Volksliedwerke der Bundesländer unterschiedliche Schwerpunkte ihrer Arbeit entwickelt und unterschiedlich gewichtet. Ihre Aufgaben gehen von der Sammlung, Archivierung, Forschung und Pflege bis hin zu einer professionellen Kultur- und Musikvermittlung in zeitgenössischen Kontexten.
Alle diese „Äste“ sind gemeinsam zu Alleinstellungsmerkmalen der Volksliedwerke geworden. Dabei haben sich nach 1945 TraditionsIinien ausgebildet, die eng an Maßgebenden Persönlichkeiten orientiert sind und sich regionaler Programmatik verpflichtet fühlen. Derartige StilbildnerInnen als ProduzentInnen von Traditionslinien haben mit Hilfe einzelner Merkmale, wie Rhythmik, dominierenden Instrumenten, spezifischer Melodieführung und Aufführungspraxen Stile markant gemacht und oft auch pädagogisch neu gedeutet. Ihre Dokumentationen und Liederbücher waren durch typische Stile ausgezeichnet und als unverwechselbar, „eigen“ deklariert. So sind sie nicht selten zu regionalen Erkennungszeichen geworden.
Gefragt ist daher die Rolle prägender Persönlichkeiten der Volkskultur in der 2. Republik und die Frage, wo und wie es wirklich Neuanfang gab. In diesem Zusammenhang ist auch die Frage nach dem Einfluss verwandter Wissenschafts- und Bildungseinrichtungen zu stellen.
Neben Kontinuitäten gilt das Interesse der Tagung auch Brüchen, die man als Neuansätze verstehen kann und die heutzutage mit „Paradigmenwechsel“ benannt werden. Die neuen Perspektiven und Orientierungen von sich verändernden Gesellschaften seit 1945 lassen sich auch als Chancen für Potentiale der Volkskultur formulieren. Solche Potentiale liegen etwa in der Reflexion über (auch neue) Medien und deren Inhalte, am Interesse an neuen oder sich ändernden Zielgruppen sowie neuen Aufführungspraxen, Orten und Anlässen, über die wir diskutieren wollen. Dazu laden wir VertreterInnen von volkskulturellen Verbänden, Initiativen und Einrichtungen sowie MusikerInnen, SängerInnen und TänzerInnen, PädagogInnen, Studierende, KulturwissenschaftlerInnen, VertreterInnen aus Wirtschaft und Tourismus und alle an der Volkskultur interessierten Personen ein.